Herkunft (Region) oder
Rebsorte oder
Winzer
Gemeinsamkeit macht stark
„Reich werden können wir mit dem Wein nicht“, sagt Lulu Jacob, erfahrener und offenherziger Winzer in Viré und langjähriges Mitglied der Kooperative, „aber zwischen der Erfahrung der Alten und den Fortschritten der Technik können wir unsere Identität bewahren und ein Leben, das auf uns zugeschneidert ist.“ Und das ist ihm und vielen seiner 220 Kollegen mehr wert als ein dickes Bankkonto.
Viré-Clessé, der jüngste – 1998 ernannte – Cru des Mâconnais erstreckt sich nördlich von Mâcon vom Dorf Clessé über Viré und Montbellet bis zum Ort Chardonnay. Letzterer gilt manchen als die Wiege der berühmten Sorte, der Basis aller großen weißen Bourgognes, also auch des AOC Viré-Clessé.
Oberhalb von Viré haben die Winzer vor fünfzehn Jahren einen ganzen Hang neu angelegt. Jahrzehnte war er verwildert gewesen. Jetzt recken sich dort stolz eng stehende Rebstöcke. Diese Lage hat das Zeug zum Premier Cru. Später einmal. Jetzt unterstreicht sie, dass es die Vignerons von Viré mit der Qualität ernst meinen. Von hier oben hat man einen schönen Blick auf das malerische Patchwork von Weinparzellen, Weilern und Gehöften.Gerade im Mâconnais sind die Menschen in ihre alten Steine verliebt. Und in Blumen. Geranien und Hortensien dominieren und verleihen den Dörfern eigenen Zauber. Nach echter Burgundermanier sind die besten Hanglagen der träge im immens breiten Tal dahinfließenden Saône zugewandt. Wenn man am Horizont den Mont Blanc erkennt, wird den Winzern unbehaglich zu Mute. Meist sagt dies ein Unwetter voraus und dann droht Hagel.
Teamarbeit
An diesem sonnigen Morgen verbirgt ein ferner Dunstschleier die Alpen. Die Vignerons sind gutgelaunt und fast alle machen sich in den 380 Hektar Weinbergen zu schaffen. Michel Gaillard, der jetzige Präsident, spritzt eine Lösung, die die Blätter stärkt. Sein Schwager Philippe Mariller stutzt das Laubwerk mit dem Über-Zeilen-Traktor. Das tut auch Jackie Montbarbou in seinem bilderbuchhaft gepflegten Weinberg. Emmanuel Terrier, der sich obendrein als Rebzüchter betätigt, arbeitet mit Hacke und Schere zwischen den Rebreihen, auf dem Fuß gefolgt von Labrador Havanne. André Peulet entfernt mit der Hacke Geiztriebe, als sei er auf einem Spaziergang, während sein Weinbergsnachbar Jean Dufour Unkrautvertilger spritzt, selbstverständlich ein umweltverträgliches Kontaktmittel.
Rückverfolgbarkeit
Jeder von ihnen wird am Abend auf computermäßig auswertbaren Bögen sein Tagewerk verzeichnen, eventuell benutzte Präparate notieren, ebenso die Gerätschaften und speziell die Pulverisatoren, mit denen er agierte. So lässt sich jeder Tropfen Wein aufschlüsseln. Rückverfolgbarkeit – traçabilité – lautet das Zauberwort. Weinfreunden wird auf diese Weise eine Garantie gegeben, nicht nur bezüglich der Herkunft der Trauben, sondern auch in puncto ihrer Qualität und wie diese als Resultat ganz bestimmter und umweltfreundlicher Handlungsweisen zustande gekommen ist. Gemeinsam betreiben die Vignerons von Viré dauerhaften Weinbau und ihre Medaillensammlung spricht Bände über die Qualität.



















