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Der Sommersitz des Dogen
Einige der Villen, die den Familien der Cantina von Bertiolo gehören, zählen zu den beeindruckendsten historischen Bauten der Provinz Udine, auch wenn sie in Ausmaß und Klasse nicht an die des letzten Dogen herankommen.
Unter einer Villa versteht man in Italien seit den Zeiten der Römer kein schmuckes Eigenheim, sondern einen bedeutenden Landsitz mit einem entsprechenden Herrenhaus, das man anderswo oft ein Schloß nennen würde. Der westliche Teil Friaul-Julisch-Venetiens verwandelte sein Gesicht entschieden, als er von Venedig erobert wurde. Waren bis dahin weite Teile der enormen Ebene des heutigen Friuli Grave von Sümpfen durchzogen und kaum bewirtschaftet, gingen die Venzianer im 16. Jahrhundert daran, sie trocken zu legen und das Land urbar zu machen. Je mehr ihr Einfluß als Seemacht litt, umso dynamischer zeigten sie sich auf dem Lande. Damals entstanden die ausgedehnten Güter der adeligen Familien, die heute im Weinbau aktiv sind.
So steht in San Martino, rund 6 Kilometer südwestlich von Bertiolo, die stattliche Villa Kechler in einem weitläufigen Garten. Ganz im eleganten venezianischen Stil errichtet besitzt sie in ihrer Mitte einen großzügigen Saal mit drei hohen Rundbogenfenstern, die ihre Fassade prägen. Eingerahmt wird sie von ihren langen Wirtschaftsgebäuden. Im Nachbardorf Muscletto steht eine Villa, die von den Conti di Colloredo-Mels errichtet wurde. Sie gleicht einem Schloß mit einem langgestreckten Mittelteil, an den sich links und rechts jeweils ein Seitenflügel anschließt. An den Ecken des Hofes erheben sich zwei Türme und der Zugang wird durch ein verschnörkeltes Gitter mit mächtigem Tor gebildet, was den Schlosscharakter noch verstärkt. Der Hauptsitz der Grafen befindet sich mitten in Goricizza. Nimmt man die Straße von Codroipo, führt sie direkt auf den Landsitz zu. Er wurde im 17. Jahrhundert auf den Ruinen einer mittelalterlichen Anlage errichtet. Vor dem Herrenhaus befindet sich ein enormer halbkreisförmiger Vorplatz. Es wird durch einen Wassergraben geschützt, über den eine steinerne Brücke führt. Im Gegensatz zum anziehenden Stil der venezianischen Villen besitzt es einen eher abweisend feudalen Charakter.
Das eigentliche Schmuckstück der Gegend ist aber die Villa Manin in Passariano, der Sommersitz des letzten Dogen von Venedig. Sie war der Mittelpunkt eines großen Landguts, das der friaulische Adelige Antonio Manin im 16. Jahrhundert gründete. Mitte des 17. Jahrhunderts gab sein Enkel den Auftrag zur Errichtung der Villa, die in ihren Ausmaßen und ihrem Charakter eher an einen Palast denken lässt und im Stil ganz dem Vorbild des großen Architekten Palladio folgt. Sein Nachfahre Ludovico Manin, der zum Dogen von Venedig gewählt wurde, nutzte sie als Sommersitz. Im Jahre 1797, als französische Truppen das Friaul und Venedig besetzten, nahm hier Napoléon Bonaparte sein Hauptquartier und in der Villa Manin wurde der Vertrag von Campoformido unterzeichnet, mit dem Venedig seine Jahrhunderte alte Macht verlor und das Dogentum endete. Heute ist die Villa Marin eines der bedeutendsten Zentren für Zeitgenössische Kunst in Italien. In ihr finden jedes Jahr diverse Ausstellungen von internationaler Bedeutung statt. Darüber hinaus konzentriert sie sich insbesondere auf die Moderne Kunst Osteuropas und die ihrer Heimatregion. In dem Park, dem größten der Region, werden Skulpturen ausgestellt und finden zahlreiche Konzerte statt.
Villa Manin
Piazza Manin 10
Passariano
I-33033 Codroipo (UD)
Tel. +39 0432 821211
Fax +39 0432 821229
info@villamanincontemporanea.it
www.villamanincontemporanea.it



















