Herkunft (Region) oder
Rebsorte oder
Winzer
Prickelnde Originalität
Mit dem Schlagwort „Pétillante Originalité“ und dem Zusatz „die Appellation der dritten Art“ macht der Crémant de Bourgogne zur Zeit auf sich aufmerksam.
Wer an Burgund denkt, denkt zunächst an große Weiß- und Rotweine, aber dass auch seine Schaumweine hohes Niveau bieten, dafür gibt es inzwischen gute Beispiele, nicht zuletzt den Belvédère Blanc de Blancs.
Der allererste Schaumwein des Burgunds geht auf einen jungen Kellermeister aus der Champagne zurück. Er fand 1822 in einem Weinhandelshaus in Chalon-sur-Saône eine Anstellung und überzeugte seine beiden Chefs, ihm freie Hand zu lassen. Vier Jahre später brachten sie den ersten Vin Mousseux heraus, der vor allem in Paris einen sensationellen Erfolg verzeichnete. Über die folgenden 150 Jahre stellten diverse Häuser in allen Ecken des Burgunds nicht immer sehr überzeugende Schaumweine her, bis sich die Erzeuger einen Ruck und freiwillig strikte Auflagen gaben, so dass 1975 die Appellation d’Origine Contrôlée Crémant de Bourgogne zuerkannt wurde. Die mit ihr verbundenen Anforderungen entsprechen genau denen, die in der Champagne üblich sind. Auch im Burgund stehen die gleichen zwei Rebsorten im Mittelpunkt der Produktion: Pinot Noir und Chardonnay (der Pinot Beurot spielt eine untergeordnete Rolle), nur dürfen sie hier durch Aligoté, Melon, Sacy und die rote Gamay ergänzt werden.
In Viré, einer der Hochburgen des Chardonnay nicht weit von Mâcon, greift Kellermeister Vincent Bartement ausschließlich auf die Spitzensorte zurück. Im Voraus müssen sich Winzer der Genossenschaft für den Crémant entscheiden und bestimmte Parzellen dafür anmelden. Wie alle Weinberge der 221 Mitglieder zählenden Cave de Viré werden sie nach den Prinzipien des umweltverträglichen Weinbaus bearbeitet. Der Unterschied besteht in zwei Punkten: im Ertrag und im früheren Lesezeitpunkt. Man zielt bewusst auf einen höheren Ertrag, um bei höchstens 11.700 Kilo Trauben pro Hektar einen leichteren und frischeren Most zu erhalten. Genauestens überprüft die Cave die eintretende Reife, denn es geht darum, das richtige Verhältnis zwischen Zucker und Säure zu treffen, wobei es vor allem auf Letztere ankommt. Dann schwärmen die Winzer mit ihren Lesehelfern aus, denn die Trauben für den Crémant müssen absolut unversehrt sein, und das heißt immer noch, dass man sie mit der Hand erntet.
In kleinen perforierten Kästen, damit eventuell austretender Most abtropfen kann, werden die Trauben schnellstmöglich zur Kellerei gefahren, wo sie sofort in die pneumatische Presse gelangen. Wie in der Champagne dürfen aus 150 kg Trauben nicht mehr als 100 Liter Most gewonnen werden. Dieser vergärt auf kontrollierter Temperatur zum Grundwein. Kellermeister Bartement verschneidet dann die Grundweine aus verschiedenen Lagen zur Cuvée, die nach Zugabe von Zucker und Hefe in Flaschen gefüllt wird. Zur sogenannten „Prise de Mousse“, bei der sich Kohlensäure und zusätzlicher Alkohol bilden, werden die Flaschen für mindestens neun Monate gelagert. Nach der Entfernung der Heferückstände beim Degorgieren und der Zusage der Versanddosage, die Geschmack und Restsüße bestimmt, erfolgt die endgültige Abfüllung, wobei der Korken durch ein „Muselet“ gesichert wird. Der Druck in der Flasche muss nun mindestens 3,5 Atmosphären bei 20 °C betragen.
Entsprechend lebendig schäumt der Belvédère mit feiner Perlage. Er erweist sich als ein eleganter, trockener, frischer und anregender Apéritif, in dem die ganze Finesse der Chardonnay zum Ausdruck kommt.
Bleibt die Frage, wie der Crémant der Cave de Viré zu seinem Namen kommt: Ein gutes Beispiel hierfür ist der Blanc de Blancs der Cave de Viré. Er verdankt ihn dem Schriftsteller und Journalisten Roger Semet, der in Viré gelebt und sich in seinen Romanen und Novellen seiner burgundischen Heimat gewidmet hatte. Darüber hinaus galt Monsieur Semet als ausgesprochener Wein-Goumet, der die Weine seiner Heimatregion sehr verehrte. Mit Sicherheit hätte er auch diesen Blanc de Blancs zu schätzen gewusst.





















